Perspektiven

Resilienz

Resilienz

Sie ist in aller Munde. Als hätte es früher keine Resilienz gegeben. Dabei ist uns doch allen das Bild des wogenden Getreidefeldes geläufig, dessen Halme sich im Wind biegen ohne zu brechen. Worin liegt dann das Geheimnis dieser besonderen Nachgiebigkeit, die Freiräume schafft und doch nicht zum Bruch führt? Gibt es überhaupt eines? Kennen wir vielleicht das, worauf es bei resilientem Verhalten ankommt, ohnehin alle? Vielleicht sollten wir uns nur öfter darauf besinnen und reflektieren, inwiefern wir da oder dort noch etwas nachbessern können und sollen, um resilient(er) zu werden.

Resilienz - wie ein wogendes Getreidefeld

Es ist wie’s ist.

Ein Grundkonzept des systemischen Denken ist es, anzunehmen, was ist. Alles was war, alles von fernster Vergangenheit bis unmittelbar vor dem Jetzt, ist Schicksal, meint auch Viktor Frankl. Und das anzunehmen macht uns frei vom absurden Gedanken, es wäre nachträglich noch etwas an der Geschichte zu ändern. Dieser scheinbare Verzicht auf die Möglichkeiten, die die Vergangenheit (angeblich / vielleicht / eventuell…) geboten hätte, mag uns schwer fallen. In Wirklichkeit befreit er uns und macht uns bereit für die entscheidende Hinwendung zur Zukunft, zum…

Handeln, statt Opfer zu sein.

Sobald es uns gelingt, uns der Zukunft zuzuwenden, gewinnen wir wieder Kraft, Konzentration und den freien Blick, den wir dazu brauchen, unser künftiges Leben selbst zu bestimmen, zu steuern und somit selbstbestimmt zu leben. Ängste und Bedenken werfen wir dabei keineswegs über Bord. Wir merken sie uns vor, um nicht darauf zu vergessen, dass Leben immer Risiko bedeutet. Und es ist unsere Aufgabe, die Risken, die wir erkennen, aber eben nicht vorhersagen können (genau das ist nämlich das Wesen eines Risikos) in unsere Überlegungen miteinzubeziehen, also …

Verantwortung zu übernehmen

für das, was wir tun können und wofür wir uns letztlich entscheiden. Dazu gehört, unsere Erfahrung aus der Vergangenheit einfließen zu lassen, zu erkennen, wie weit unsere eigenen Erfahrungen, Fähigkeiten und Kenntnisse reichen, und ab wann wir uns eingestehen müssen, hier nicht mehr oder zumindest nicht mehr alleine weiter zu wissen. Auch das ist unsere eigene Verantwortung. Und es tut unglaublich gut einzusehen, dass wir manchmal, vielleicht sogar öfter, als wir zunächst wahrhaben wollen, …

Unterstützung und Hilfe annehmen

dürfen, ohne deswegen auf unsere Selbstbestimmung zu verzichten. Die Entscheidung über unser Handeln und die Verantwortung dafür bleiben bei uns. Wir dürfen sie nur nicht selbst ab- und damit aufgeben. Wir finden die Lösungen unserer Probleme immer noch selbst, nur sind wir, wenn wir andere miteinbeziehen, nicht alleine dabei. So ist das übrigens auch in Getreidefeldern.

Lösungsorientiertes Vorgehen

ist hier unverzichtbar. Das bedeutet Offenheit gegenüber Neuem, die Bereitschaft, auch anscheinend (oder doch nur scheinbar?) verrückte Ideen auf ihren Realitätsgehalt sorgsam abzuklopfen. Es geht darum, immer die Realisierung im Auge zu behalten und sich nicht mit den offenkundigen Unmöglichkeiten aufzuhalten. Was von dem, das sich da bietet, ist vielleicht doch denkbar? Und wenn es denkbar ist, wie können wir es machbar machen?

Lernen und Lernen lernen.

Was bei allen diesen Vorgängen passiert, ist in Summe unschätzbar wertvoll: Jetzt, im letzten Schritt, ist Gelegenheit, Erfolge und Misserfolge zu würdigen und kritisch auf Verwertbares zu überprüfen – das eigentliche Erfahrungslernen. Was damals schlecht war, kann heute gut sein und umgekehrt. Dabei gewinnen wir auch Einblick in uns selbst. Von Mal zu Mal erkennen wir deutlicher, was wir wollen, was wir brauchen, was unser Denken leitet, wenn wir um Entscheidungen ringen, wenn wir zögern, Verantwortung zu übernehmen, wie das alles abläuft, wenn wir uns vorbereiten zu handeln – und es schließlich tatsächlich tun. Die Art und Weise, wie wir ans Ende dieser Kette gelangen, ist das ebenso wichtige Lernen, wie wir lernen.

Und sobald wir ein weiteres Mal vor den Ergebnissen unseres Handelns stehen, fällt es uns schon wieder ein bisschen leichter, die beschriebenen sechs Schritte neuerlich zu setzen. Um unsere Resilienz ein weiteres Mal voranzubringen. Um auf unsere Weise Teil des wogenden Getreidefeldes zu werden.

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