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Scheitern und Neubeginn

Scheitern

Wie kann man die Wucht des Absturzes in den nächsten Aufstieg einbringen?

Jobsicherheit ist auch für prominente Positionen ein heißes Thema – in turbulenten Zeiten noch mehr als sonst. Achterbahnfahren ist ein häufig gebrauchtes Bild dafür, wie sich manche dabei fühlen. Und entgegen weit verbreiteter Ansicht verarbeiten auch Top-Executives und -PolitikerInnen ihr Scheitern in den gleichen Schritten wie andere Menschen. Es ist für sie auch genauso schwer. Und es ist unabhängig vom Anlass.

Scheitern - Neubeginn - Achterbahn

Scheitern ist, anders als es das Wort und die damit vermittelten Bilder anklingen lassen, nur selten ein einziges, kurzes, plötzliches Ereignis. Obwohl es das sein kann – gerade im beruflichen Zusammenhang ahnen wir es oft schon lange vorher, befürchten es, manchmal kündigt es sich über verschiedene Anzeichen an. Manchmal rechnen wir aufgrund konkreter Informationen schon damit, nur der Zeitpunkt ist noch offen. Und sehr häufig erscheinen, damit verbunden, unbeantwortbare Schuldfragen. 

Umgang mit Verlust

Im Umgang mit schmerzhaften Verlustsituationen ist der Rückhalt in der eigenen Familie und die Aussprache mit vertrauten Personen Gold wert – und eine professionelle Begleitung unverzichtbar. Nur so ist es möglich, den Kontakt zu den inneren Ressourcen wieder herzustellen. Trauerarbeit zu leisten. Und damit aus der Opferrolle wieder zum selbst bestimmten Handeln zurückzufinden. In der neuen Situation wieder eine neue, stimmige Identität zu gewinnen.

Umgang mit Zeit

Scheitern hat, eben weil es nur selten ein überraschendes, kurzzeitiges Geschehen ist, meist auch eine wahrnehmbare zeitliche Dimension. Das kann lähmend wirken – die auf uns zukommende Katastrophe, die uns wie das Kaninchen auf die Schlange starren lässt. Das kann aber – und sollte auch! – zur Chance gewandelt werden. Diese Zeit gibt uns Raum nachzudenken, uns zu informieren, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und in vielen Fällen enthält diese Zeit auch das Potential, aus einem Ende mit Schrecken… nein, genau nicht, was jetzt auf der Zunge liegt, sondern daraus einen Prozess des Lernens, der Neuorientierung, der Verwandlung, des Neubeginns zu gestalten.

Perspektiven finden

Scheitern und Neubeginn sind klassische Coaching-Themen. Im Coaching werden, gegliedert in mehrere Etappen vom Elementaren zum Konkreten fortschreitend, folgende Themen reflektiert, um zu neuen Perspektiven zu finden:

  • Anerkennen des Neuen: was ist wirklich passiert; was hat sich dadurch grundlegend verändert; was habe ich dazu beigetragen; was würde ich jetzt am liebsten tun.
  • Loslassen des Alten: worauf werde ich jetzt verzichten; was habe ich statt dessen; was habe ich noch immer; was bedeutet das alles für mich – jetzt und in Zukunft.
  • Was kann jetzt wirklich werden: welche Beiträge kann ich aus der neuen Situation heraus leisten, wo und für wen; wen kann ich dabei unterstützen, mir zu helfen; was brauche ich noch dazu.
  • Die zeitliche Perspektive. Ein Ende wie ein Schnitt mit dem Skalpell und ein Neubeginn wie ein Wunder kommen hier kaum vor. Viel realistischer ist eine Zeit der Mehrgleisigkeit: wie kann ich mich auf das Scheitern vorbereiten; wie kann ich das mögliche Scheitern in einen planvollen Umstieg verwandeln; welche Optionen geben mir Ausbildung, erworbene Erfahrung, meine Interessen und Talente für die Zukunft; wie sichere ich meine Vorhaben materiell ab.
  • Und schließlich meine nächsten Schritte: was tue ich zur Umsetzung; welchen nächsten Schritt gehe ich jetzt; welchen Zeitrahmen gebe ich mir; wer begleitet mich dabei.

Nach dem Scheitern der Neubeginn

Und wo bleibt die Frage nach der Schuld? Die habe ich vergessen. Sollten Sie auch tun. Nicht nur, dass sie kaum wirklich zu beantworten ist – wenn Sie eher Ursachen meinen: ja, aus denen können Sie vielleicht lernen, wenn Sie hart und aufrichtig zu sich selbst sind, aber nicht aus Schuldzuweisungen. Die Vergangenheit ist eben vergangen, was jetzt kommt ist wichtig.

So gelingt es, die neue Situation als Chance für einen selbst neu gestalteten Anfang zu erkennen: der tiefste Punkt ist der beste für den Neueinstieg. Die Energie für das neuerliche Aufstehen und Weitergehen kommt aus der Wucht des Absturzes selbst. Vielfach die wichtigste Frage an sich selbst: Wodurch und womit kann ich mir und meinem Leben jetzt neuen Sinn geben?

Und wenn Sie etwas Glück haben, sind Sie bei all dem nicht ganz alleine: Eine gleichermaßen einfühlsame, unerschütterliche wie methodisch erfahrene wirkungsvolle Führung schafft in diesem Prozess die Voraussetzung für ein Sammeln der eigenen Kräfte und ein erfolgreiches Durchstarten. In den nächsten Aufstieg.

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Bildnachweis: Paul Minami auf Unsplash

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