Blog

Science-Industry-Talk 2015: Green Fields & Blue Sky

Science-Industry-Talk 2015: Green Fields & Blue SkyIST Austria

Die Science-Industry-Talks werden vom Institute of Science and Technology Austria (IST-Austria) gemeinsam mit der Industriellenvereinigung (IV) in der Absicht veranstaltet, die Verbindung zwischen Wissenschaft und Industrie zu stärken. Die Veranstaltung am 3.6.2015 ist die fünfte dieser Reihe. Heuer geht es um das Thema ‘Green Fields & Blue Sky’. Die Veranstaltung wird von Oliver Lehmann (Media Relations, IST Austria) moderiert.

Meine persönliche Beratungstätigkeit bei SpitzenwissenschafterInnen im Rahmen von Coachings für KopfarbeiterInnen ist der Hintergrund meines Interesses am Science-Industry-Talk. Dieser Blog-Beitrag gibt einen kurzen, subjektiv-inhaltlichen Abriss verbunden mit einigen persönlichen Stellungnahmen zu den aus Sicht von meincoach.at bedeutsamen Punkten.

Science-Industry-Talk 2015: Nava Swersky Sofer, President International Commercialisation Alliance, IsraelWie errichtet, wie hegt und pflegt man ein erfolgreiches, innovatives Ökosystem, in dem StartUps entstehen und gedeihen? Was kann man dazu proaktiv tun? Die Industriellenvereinigeung und das IST Austria geben in einer Podiumsdiskussion ExpertInnen aus Wissenschaft und Wirtschaft Gelegenheit zu einer Analyse: wie lässt sich die Idee üppig grünender unternehmerischer Felder mit den wissenschaftlichen Visionen aus dem blauen Himmel heraus vereinen?

Nava Swersky Sofer, President International Commercialisation Alliance, Israel, Founder NanoIsrael, die aus Termingründen an der Podiumsdiskussion nicht teilnehmen kann, gibt in einer rasanten Präsentation einen Überblick über die Strategie, Struktur und Praxis der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in Israel (à propos: wie kann jemand auf die Idee kommen, detailreiche Powerpoint-Präsentationen müssten langweilig sein?).

  • Ein wesentliches Element dabei ist, zunächst einmal eine positive Einstellung der wissenschaftlich Tätigen zu Geld und materiellem Erfolg zu erreichen. Solange die Einstellung vorherrsche, materiellen Nutzen aus den eigenen Ideen zu erzielen sei etwas Anrüchiges, solange werden wirtschaftlich interessante Ideen und Innovationen durch unbewusste innere Widerstände gebremst, behindert und sogar abgewürgt. Eine großzügige Beteiligungspolitik (insgesamt bis zu 40…60%, davon bis zu 40% persönlich!) für WissenschafterInnen und ihre Institute hilft diesen Einstellungswandel zu vollziehen. Die Kernaussage dazu: „Es muss Spaß machen, mit den eigenen Ideen Geld zu verdienen!“
  • Ein weiteres wichtiges Element gerade in Israel ist, Immigration und ImmigrantInnen als „game changer“ zu sehen – die Zufuhr neuer Ideen, neue Perspektiven und der Ehrgeiz der Neuankömmlinge erzeugen eine Fruchtbarkeit in der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit, die auf andere Weise kaum erreichbar sei. Ein gerade jetzt höchst aktuelles Thema in Österreich…

Die TeilnehmerInnen der Podiumsdiskussion (v.l.n.r) …

  • Markus Wanko [MW], Head of Technology Transfer, IST Austria
  • Oliver Holle [OH], CEO Speedinvest
  • Monika Kircher [MK], Head of Committee for Research, Technology & Innovation, IV
  • Tapio Siik [TS], Head of ACE, Aalto Center for Entrepreneurship
  • Oliver Lehmann, Media Relations, IST Austria (Moderation Science-Industry-Talk 2015)

Science-Industry-Talk 2015: Diskussionsrunde

…gehen bei ihren Statements von Fragen des Moderators aus, woraus sich im einzelnen recht komplexe Argumentationsstränge entwickeln. Hier eine kurze Zusammenfassung interessanter Denkansätze, Meinungen und Erfahrungen, die aus meiner Sicht für österreichische Verhältnisse besonders relevant sein dürften:

OH: Die Größenordnung unserer Umsetzungsprojekte ist generell zu gering, um Eigendynamik zu entwickeln; während in den USA durchschnittlich rd. 20’€ Kapital für ein StartUp zur Verfügung stehen, steht diese Summe in Österreich jährlich bestenfalls für alle StartUps insgesamt (!) zur Verfügung. Österr.  StartUps denken zu häufig national, regional oder allerhöchstens europäisch – nicht aber global. In Wirklichkeit sei die Erfolgsquote aber so hoch, dass einzelne Flops ohne weiteres verkraftet werden können.

TS: Die Kulturen sind sehr unterschiedlich, jedes Land muss wohl seinen eigenen Weg finden. Gemeinsam sei aber allen, dass den Innovatoren zu wenig zugetraut werde, verantwortungsvoll mit ihren Mitteln umzugehen. Es sei absolut notwendig, diese Menschen möglichst frei und selbständig arbeiten zu lassen; das Bewusstsein möglicher Misserfolge sei ohnehin mehr als genug vorhanden – weitere Fesseln anzulegen wirke nur mehr kontraproduktiv.

MK: Nicht nur in Österreich, in ganz Europa wird zu klein gedacht; man sucht nach Verbesserung und Wachstumsraten im %-Bereich, anstatt nach Vervielfachungen (x10…) zu streben. Es wird zu viel geredet und kommentiert (= Besserwisserei), anstatt ins Tun zu kommen. Europäer und ganz besonders die Österreicher seien vor allem risikoavers, anstatt Risken als Hinweise auf Chancen zu sehen. Die Trennung zwischen Fach- und Management-Karrieren in der Industrie (insbes. bei Infineon) bewähre sich, allerdings muss sehr auf Austausch der beiden Sphären geachtet werden.

Mein persönlicher Eindruck:  Aus den Diskussionsbeiträgen zum Science-Industry-Talk 2015 ist eine gemeinsame Sichtweise herauszulesen – dass nämlich die Einflussnahme auf StartUps über das Management einerseits und über F&E anderseits erfolgt. Ich meine, das vereinfacht die Realität etwas zu sehr. Was wirklich gebraucht und gerade in Österreich zu wenig vorhanden ist, weil es zu wenig anerkannt und daher zu wenig gefördert wird, ist Entrepreneurship. Management ist etwas anderes als Unternehmerschaft: Unternehmer gehen bewusst Risiko ein, weil sie die Chancen dahinter erkennen und nützen wollen; Management dagegen ist bestrebt, Risiko aus dem Unternehmen herauszunehmen, es zu kontrollieren, es handhabbar zu machen. Das sind völlig unterschiedliche Aufgabenbereiche. Daher brauchen StartUps neben hervorragenden WissenschafterInnen und TechnikerInnen sowohl Menschen, die als Manager agieren, als auch Unternehmer, die die Verbindungen zu den künftigen Nutznießern der Innovationen durch geeigente Geschäftsmodelle, durch Marketing und durch erfolgreiche geschäftliche Kooperationen herstellen.

Eine ausführliche Fragerunde mit z.T. sehr persönlichen Bezügen zu den Anliegen der FragenstellerInnen schließt den Science-Industry-Talk 2015 ab. Eine attraktive und erfolgreiche Veranstaltung.
___________________
Verwandte Themen:
Science-Industry-Talk 2014: Talent(e) finden und fördern
Science-Industry-Talk 2016: New Science. New Business.

Bildnachweis: Die beiden Fotos auf dieser Seite sind mit Erlaubnis vom 6.8.2015 des Communications Team, IST Austria, der Bildergalerie des Science-Industry-Talk 2015, entnommen. Alle sonstigen Rechte dazu verbleiben bei IST-Austria.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.