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Team-Selbstreflexion

Team-Selbstreflexion

Team-Selbstreflexion

Teams verändern sich durch Team-Selbstreflexion. Zumindest können sie es, wenn dieser Prozess angestoßen und geführt wird. Team-Selbstreflexion ist die Keimzelle für laufende Verbesserung und Erneuerung eines Teams – operativ und strukturell. Team-Selbstreflexion macht Unbewusstes bewusst und Team-Prozesse sichtbar, erlaubt den Abgleich individueller Wahrnehmungen, die Würdigung und Nutzung unterschiedlicher Sichtweisen (insbes. im Gegensatz zur Sichtweise der Führungsperson) und ist wohl das wichtigste Einzelinstrument für die Bildung, die Entwicklung und die Führung von Teams.

Vorgangsweise

Die zweckmäßigste Vorgangsweise ist, eine kurze Reflexionsperiode am Ende jeder Teambesprechung einzuführen und zur Gewohnheit zu machen. Auch wenn das zunächst auf Unverständnis stößt – beim zweiten oder dritten Versuch findet immer jemand ein Thema, über das nachzudenken wichtig sein könnte.

Manchmal ist das Klima allerdings schon so schlecht, die Situation schon so festgefahren, dass Selbstreflexion nicht mehr möglich scheint. Was kann man hier noch tun? Dasselbe – wenn auch in kleine Portionen, in winzigen Schritten: Indem man scheinbar zufällige Bemerkungen einzelner Teammitglieder aufgreift und zur Diskussion stellt; indem Konflikte nicht verdrängt, sondern warm gehalten, aber am Überkochen gehindert werden; indem gezielt negative und positive Aspekte eines Sachverhalts beleuchtet werden; indem man Schuldzuweisungen nützt, um zugrunde liegende  Sachthemen oder Verhaltensmuster anzusprechen.

Team-Selbstreflexion – Beispiel

Alleine die Beobachtung im Team-Kontext, dass bei Problemen immer wieder einzelnen Teammitgliedern eine ‚Schuld‘ daran zugewiesen wird, bewirkt bereits eine Veränderung, denn kein Teammitglied kann sich der Vermutung entziehen, dass es auch selbst einmal in der Rolle des Sündenbocks landen könnte. Das bewirkt vermutlich bereits eine Einstellungsänderung, vielleicht wird aber auch beim nächsten Team-Problem jemand aus dem Team darauf hinweisen, dass jetzt wieder eine Schuldzuweisung droht…

Team-Selbstreflexion anstoßen

Team-Selbstreflexion anzustoßen, einzuleiten und den Reflexionsprozess zu führen ist eine der ganz wichtigen Führungaufgaben im Team. In agilen Arbeitsumgebungen ist laufende Reflexion überhaupt unverzichtbar. Hilfreich ist hier ein gewisses Repertoire an Prozessfragen, wie etwa:

  • Was ist die Aufgabe unseres Teams?
  • Wissen alle, was zu tun ist?
  • Haben wir alles, was wir brauchen – insbes. Information?
  • Wie zufrieden sind wir / unsere AuftraggeberInnen / unsere KundInnen mit unserer eigenen Leistung?
  • Wie sind wir dorthin gekommen, wo wir jetzt sind?
  • Worin sind wir sehr / weniger / gar nicht gut bei unserer Zusammenarbeit?
  • Welche Verantwortung tragen wir als Team? Welche tragen die einzelnen Teammitglieder?
  • Welche erwünschten und welche unerwünschten Muster erkennen wir in unserer Zusammenarbeit und welche davon wollen wir auflösen?
  • Wo hätten wir gerne mehr Kooperation?
  • Werden Zeit, Geld und sonstige Ressourcen reichen?
  • Wer braucht mehr / weniger Unterstützung (von wem)?

Schon die ganz elementare erste Frage führt oft zu erstaunlichen Überraschungen. Alle nehmen an, dass alle anderen genauso ‚gut‘ wie sie selbst über die Aufgabe(n) des Teams Bescheid wissen. Daher spricht auch niemand darüber. Im Rahmen der Team-Selbstreflexion darüber ein reflektierendes Gespräch in Gang zu bringen kann eine nachhaltige Teamentwicklung auslösen.

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Bildnachweis: Das Artikelbild wurde von Duderstaedt unter dem Titel Spiegel auf Flickr unter einer Creative Commons Lizenz (CC BY-SA 2.0) veröffentlicht.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 7.7.2013 veröffentlicht und seither mehrfach überarbeitet.

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