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Kontakte in Zeiten wie diesen

Miteinander reden

Wie war das doch damals, als wir noch nicht Angst vor Ansteckung hatten – außer vielleicht, wieder einmal einen Schnupfen einzufangen? Als wir noch nicht durch laufend geänderte Vorschriften und Regeln verwirrt wurden? Als uns widersprüchliche Äußerungen von echten und selbst ernannten Experten noch schlicht gleichgültig waren?

Und wie war das, als wir noch über andere Themen plaudern konnten als die im vorigen Absatz angedeuteten?

Eine gemeinsame Bekannte meiner Frau und von mir, die in den USA lebt, hatte dazu eine Idee. Schon seit langem, also nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie, pflegt sie persönliche Kontakte über Video-Plattformen wie Skype und Zoom. In einem Land dieser Größe ist das ja auch naheliegender als persönliche Treffen mit langer Anreise zu organisieren.

Persönliche Gesprächsthemen

Seit dem Frühjahr 2020 ist ihr allerdings aufgefallen, dass die Kommunikation ohne besonderes Zutun seitens der Beteiligten schon im Verlauf der ersten Viertelstunde immer wieder und immer deutlicher auf zwei Themen zulief. Die Pandemie und – erraten! – die bevorstehenden Präsidentenwahlen mit besonderer Berücksichtigung eines der inzwischen nur mehr zwei Kandidaten.

Nun ist besagte Dame durchaus an aktuellen, also auch politischen Themen interessiert. Hin und wieder wollte sie aber doch einmal über Anderes reden. Es war ja nicht so, dass es keine sanften Versuche ihrerseits oder seitens anderer GesprächsteilnehmerInnen gegeben hätte, das laufende Gespräch in andere Richtungen zu beeinflussen. Aber irgendwie bewegte sich der Gesprächsmittelpunkt doch immer wieder in eine der beiden Richtungen.

Themen vereinbaren –  und einzelne ausschließen

Schließlich kam sie auf die Idee, ihre an sich völlig informellen Gesprächseinladungen mit einer ausdrücklichen Bedingung zu versehen: Sie schlug selbst nach Lust und Laune ein oder zwei Themen vor und zeigte sich bereit, diese auch noch abzuändern, zu ersetzen oder zu ergänzen; als Bedingung machte sie allerdings fest, zwei konkrete Themen unbedingt ausschließen zu wollen. Eh klar, welche…

Im Prinzip also: Wir können über alles reden – aber die beiden klammern wir aus.

Kennen Sie auch Themen, die sich immer in den Vordergrund drängen? Corona-Gejammer? Politiker-Verrisse? Die Marotten des Ehemanns? Die Unfähigkeit der Chefin? Der Macho vom 6. Stock? Vielleicht lässt sich die Idee auch an Ihre Gesprächsumgebung anpassen. Online oder in persönlicher Gegenwart von derzeit 5 weiteren Personen in gebührendem Abstand. Probieren Sie’s einfach einmal aus – Sie werden überrascht sein, wie gerne Ihre GesprächspartnerInnen Ihrem Vorschlag nachkommen werden!

PS: Mittlerweile haben wir erfahren, dass unsere Bekannte dieses Prinzip auch erfolgreich auf ihre beruflichen Meetings ausgeweitet hat…

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Bildnachweis: Priscilla Du Preez auf Unsplash

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